Der übrig gebliebene Raum
Lia
Der erste Mensch, den ich im Raum hörte, war ein Fremder, der sagte, die Wand sei hohl.
Ich hielt noch immer den falschen Schlüssel. Zwanzig Minuten hatte ich am Empfang des Labors verbracht, weitere zehn auf der Suche nach Ruth Bell, und jetzt klopfte ein Mann im grünen Hemd mit den Fingerknöcheln gegen die Trennwand des einzigen Raums, der für meine Präsentation übrig geblieben war. Der zurückkommende Klang war dünn und unglücklich. Ein Pappkarton hätte mehr Überzeugung bewiesen.
„Du brauchst nicht weiterzumachen“, sagte ich. „Ich habe schon verstanden, dass sie keine Zukunft als Schlaginstrument hat.“
Er hielt mit erhobener Hand inne und sah mich an. Hinter seinem Ohr steckte ein Bleistift, am Gürtel hing ein Maßband. Seine braunen Augen wanderten vom Schlüssel zur Mappe, die ich gegen meine Brust drückte.
„Bist du die mit der Stille?“
„Kommt darauf an, wer sich beschwert.“
„Theo. Von der Theaterwerkstatt. Man sagte, jemand wolle hier eine Kabine bauen.“
Ich war Lia Duarte, zweiundzwanzig, und meine Portfoliopräsentation war für den folgenden Freitag angesetzt. An diesem Nachmittag konnte ich ihm allerdings nur ein Nicken anbieten. Hinter Theo standen zwölf gestapelte Stühle und ein Tisch mit einem kürzeren Bein. Ursprünglich hatte ich ein Studio mit Schalldämmung, regelbarem Licht und einer Tür reserviert, die sich schließen ließ, ohne sie anheben zu müssen. Der verfügbare Raum wirkte wie der Teil eines Gebäudes, den jemand vergessen hatte fertigzustellen.
Ruth erschien mit einem Becher im Flur und dem Gesichtsausdruck eines Menschen, der seit dem frühen Morgen dieselbe Nachricht wiederholt hatte.
„Die Haustechnik hat ein Leck in der Wand von Studio zwei gefunden. Vor der Prüfung schalten wir nichts wieder ein. Du darfst nicht hinein, um Geräte zu holen.“
„Nicht einmal den Rekorder?“
„Den tragbaren Rekorder habe ich. Der Rest bleibt bis Montag, wo er ist. Die Schadensmeldung habe ich schon geschickt.“
Sie gab mir ein schwarzes Etui. Ich hielt es am Griff, zu erleichtert, um sofort zu danken. Darin lagen das kleine Gerät, das Kabel, die Kopfhörer. Ich hatte den Rekorder fast das ganze Semester benutzt. Das Klicken seiner Klappe kannte ich besser als meinen eigenen Wecker.
„Meine Teilnahme an der Ausstellung hängt davon ab, dass ich einen Raum habe“, erklärte ich.
„Deshalb habe ich Theo gebeten, sich diesen hier anzusehen. Ich habe nicht gesagt, er sei gleichwertig.“
In der Antwort lag keine Grausamkeit, was es schwieriger machte, dagegen anzukommen. Ruth arbeitete seit Jahren im Labor und misstraute vagen Versprechen ebenso wie unbeschrifteten Verlängerungskabeln. Sie stellte den Becher auf die Fensterbank und öffnete die Tür, um den Flur zu zeigen. Drüben zog jemand einen Metallwagen. Jedes Rad hatte seine eigene Beschwerde.
„Das wird auf der Aufnahme zu hören sein“, bemerkte Theo.
„Die Aufnahme ist fertig. Das Publikum muss sie ohne Ablenkung hören können.“
Ich sagte es mit der Genauigkeit eines Menschen, der eine wesentliche Information vorträgt. Der Wagen quietschte noch einmal vorbei. Theo hob die Augenbrauen, ohne Spott.
„Dann müssen wir entscheiden, wie viel von diesem Raum sich in einer Woche verändern lässt.“
Er sagte wir, bevor er wusste, ob ich Gesellschaft wollte. Es hätte mich stören sollen. Stattdessen legte ich die Mappe auf den schiefen Tisch und öffnete meine Projektzeichnung.
Darin stand ein Stuhl in einem einfachen Aufbau, ein Paar Kopfhörer und ein Lichtstreifen. Der Besucher sollte eine Collage kleiner Geräusche hören, die mit dem Ankommen an der Universität zu tun hatten: ein Koffer auf dem Boden, ein gedrehter Schlüssel, der Aufzug, der nie kam. Ich hatte das Projekt Ort des Ankommens genannt. Nach persönlichen Berichten hatte ich nicht gefragt, weil ich nicht glaubte, dass jemand mit mir über etwas so Banales sprechen wollte. Meine Klänge waren tadellos. Mein Projekt war auch ein bisschen leer, aber diese Einschätzung hielt ich von den Anmeldeformularen fern.
Theo beugte sich über den Plan, ohne die Hand daraufzulegen.
„Wie hoch?“
„Zwei Meter. Oben bleibt es offen.“
„Dann ist es keine Schallkabine.“
„Ich weiß.“
„Ich frage, weil die Werkstatt ein Gestell verleihen kann, keinen Raum in einem anderen bauen. Wenn es von der Dämmung des Studios abhing, muss ich das verstehen, bevor ich Material zuschneide.“
Er gab mir den Bleistift. Statt meine Zeichnung zu verbessern, wartete er. Ich nahm das Werkzeug, dessen Holz nahe der Spitze Bissspuren hatte, und zeichnete die Höhe der Seiten an. Mein Fingernagel kratzte übers Papier. Meine Hand war kalt, obwohl es im Raum stickig war.
„Ich wollte, dass der Mensch vier Minuten allein ist“, erklärte ich. „Ohne irgendjemandem eine gute Antwort geben zu müssen.“
Theo hob die Augen. Er lächelte nicht und sagte nicht, die Idee sei schön. Er fragte, ob der Stuhl Armlehnen brauche und wo jemand mit Rollstuhl hineinkäme.
Im Studioplan hatte ich Platz dafür vorgesehen, aber nicht in diesem Raum. Ich zog das Lineal aus der Mappe und zeichnete den Zugangsweg neu. Ruth sah schweigend zu. Plötzlich betrachteten zwei Menschen ein Problem, von dem ich noch vor einer halben Stunde behauptet hatte, es mit einer Aufgabenliste lösen zu können.
„Wir können Adam holen“, sagte sie. „Es ist auch seine Ausstellung. Wenn sich das Format ändert, muss er die Nutzung dieses Raums genehmigen und den Lageplan aktualisieren.“
„Ich würde lieber eine Lösung vorlegen.“
„Leg vor, was vorhanden ist. Dann vergibt niemand denselben Raum an ein anderes Team, während du versuchst, ihn perfekt zu machen.“
Ruth ging hinaus, um zu telefonieren. Theo rollte das Maßband aus und bot mir das Ende an. Ich blieb an der Tür, während er den Raum bis zum Fenster durchquerte. Das Band berührte meine Handfläche und zog eine gelbe, steife Linie zwischen uns.
„Bist du auch bei der Ausstellung dabei?“, fragte ich.
„Noch nicht. Mein Bühnenbildprojekt hat keine Aufführung mehr, seit die Theaterlesung abgesagt wurde. Ich brauche Fotos von aufgebauter Arbeit, nicht nur von Modellen.“
„Und sie haben dir meine Kabine als Trost angeboten?“
„Sie haben mir die Gelegenheit angeboten, einen Aufbau zu prüfen. Wenn es keine Arbeit für mich gibt, gehe ich zu meinen Miniaturen zurück.“
Er schien mich nicht von seiner Unentbehrlichkeit überzeugen zu wollen. Er notierte die Breite, bat mich, das Ende tiefer zu halten, und wartete auf mein Zeichen, bevor er das Band einrollte. Das Metall lief mit einem Schnappen ins Gehäuse, bei dem ich zum Rekorder sah.
„Darf ich das aufnehmen?“
„Das Maß?“
„Das Geräusch.“
Theo zog wieder ein Stück Band heraus und drückte die Arretierung. Ich nahm das Gerät aus dem Etui, stellte den Aufnahmepegel ein und hielt das Mikrofon näher. Er sah wartend auf meine Hand. Als ich nickte, löste er langsam die Arretierung. Das Band zog sich in drei Bewegungen ein: Kratzen, Federatem, Klicken. Ich bat um eine Wiederholung. Beim zweiten Mal änderte er die Geschwindigkeit, ohne dass ich es erklären musste.
Ich hörte durch die Kopfhörer. Eine gewöhnliche Geste war zu etwas mit Anfang, Widerstand und Ende geworden. Es war nicht mein Projekt. Trotzdem wollte ich zum ersten Mal an diesem Tag in diesem Raum bleiben.
„Du lächelst“, sagte Theo.
Ich nahm eine Kopfhörerseite ab.
„Für den Gesichtsausdruck verlange ich normalerweise nichts. Nur für die Datei.“
Er lachte leise. Das Lachen störte die Aufnahme nicht, weil ich das Gerät schon angehalten hatte. Diese winzige Rücksicht, während der Aufnahme nicht zu sprechen, gefiel mir mehr, als sie sollte.
Adam Price kam mit einem Klemmbrett und einem noch eingetüteten Brötchen. Er war fünfundzwanzig und dafür bekannt, Besprechungen mit mehr Aufgaben zu beenden, als er sie begonnen hatte. Er legte das Brötchen auf den Stuhlstapel und bat um die Kurzfassung. Ruth fasste das Leck zusammen. Ich erklärte das Format. Theo nannte die Maße und achtete darauf, mir die Idee zuzuschreiben.
„Was braucht ihr heute von mir?“, fragte Adam.
„Reservierung dieses Raums bis Freitag. Die Bestätigung, dass wir den Lageplan ändern können. Und Zugang für einen Techniktest“, antwortete ich.
Er betrachtete Fenster, Tür, Stühle.
„Ich kann den Raum sichern und den Plan aktualisieren. Das Budget bleibt gleich, nichts extra für Dämmung. Einen Besuch der Auswahlkommission kann ich nicht versprechen.“
Meine Kehle wurde eng. Ich hatte das Auswahlverfahren des Labors nicht erwähnt.
„Ich weiß.“
„Ich sage es, weil viele die Ausstellung mit dem Bewerbungsgespräch verwechseln. Das Publikum kann alles mögen, und für die Stellen braucht man trotzdem eine eigene Bewerbung.“
Ich wusste es tatsächlich. Das Stipendium, das in diesem Semester mein Studium bezahlte, würde wegen einer schlechten Präsentation nicht verschwinden. Aber die bezahlte Stelle im Labor fürs nächste Semester würde mir erlauben, die Spätschichten im Imbiss abzulehnen, nach denen ich mit Ölgeruch im Haar nach Hause kam. Mein Portfolio war die Chance, mich bei der Arbeit mit dem zu zeigen, was ich studierte. Ich wollte nicht, dass Adam diese Hoffnung wie einen Irrtum behandelte.
„Ich möchte die Arbeit präsentieren“, sagte ich. „Keinen Applaus gegen eine Stelle eintauschen.“
Adam nickte etwas verlegen und strich eine Zeile auf dem Klemmbrett.
„Gut. Techniktest am Dienstag mit Ruth. Wenn es nicht machbar ist, braucht ihr eine Tischversion. Kein Publikum in einem unsicheren Aufbau.“
Theo stimmte der Bedingung zu. Ich auch. Adam gab uns bis fünf Zeit, eine vorläufige Beschreibung zu schicken, und ging, ohne sein Brötchen mitzunehmen. Ruth trug ihm die Tüte hinterher. Die Tür blieb offen, und ein ferner Pfiff drang durch den Flur. Das Training im Stadion ging weiter, von unserem kleinen Desaster getrennt durch Gebäude, Bäume und eine beruhigende Anzahl Menschen, die wussten, was sie taten.
Theo begann, die Stühle zu ordnen.
„Ich muss in zwanzig Minuten zurück in die Werkstatt. Darf ich eine Kopie des Plans mitnehmen?“
Ich nahm das Handy, um die Seite zu fotografieren. Als ich den Arm hob, verfing sich mein Daumen in der gerissenen Naht der Jackentasche. Ich zog die Hand heraus und klopfte zweimal gegen den Stoff, verärgert über mich selbst. Er sah die Geste, versuchte aber nicht, sie zu deuten.
„Wenn du erst nachdenken möchtest, schicke ich dir die Maße“, fügte er hinzu.
„Worüber nachdenken?“
„Darüber, das Projekt zu teilen. Ich kann die Konstruktion machen. Ich will nicht voraussetzen, dass ich dadurch den Rest bekomme.“
Die Erleichterung kam so schnell, dass es fast wehtat. Im vorigen Semester hatte ich eine ganze Gruppenarbeit geschnitten und meinen Namen nur in der Danksagung gefunden. Ich erinnerte mich noch an den Satz der Kommilitonin: Aber alle wissen doch, dass du geholfen hast. In diesem Moment erzählte ich Theo nichts davon. Ich machte das Foto und fragte, wie er seinen Namen angeben wolle.
„Theo Vale. Bühnenbild. Ich bin dreiundzwanzig und habe keine Lust, menschliche Stütze genannt zu werden.“
„Lia Duarte. Ton. Zweiundzwanzig. Ich möchte auch nicht das fehlende Kabel sein.“
Er stemmte die Hände in die Hüften, als reiche diese Auskunft für eine Vereinbarung. Keiner von uns streckte die Hand aus. Merkwürdig, dass dieses Detail das Gespräch weniger förmlich machte statt förmlicher.
Wir teilten ein Blatt in Aufgaben auf. Ich übernahm Schnitt, Dateien, Genehmigungen und Gestaltung der Erfahrung. Er würde Material, Konstruktion, Durchgänge und Aufbau prüfen. Entscheidungen, die beide Bereiche betrafen, würden wir gemeinsam treffen. Ich schrieb es aus und erwartete einen Bürokratiewitz. Theo bat nur darum, die Zeiten aufzunehmen, zu denen jeder verfügbar war.
„Ich arbeite morgen bis Mittag in der Werkstatt. Wenn du um neun kommst, siehst du, was sich verwenden lässt. Das Tonlabor kann ich nicht öffnen.“
„Ruth hat schon gesagt, am Wochenende gibt es keinen Zugang.“
„Gut. Eine Tür weniger, die du aufzuschließen versuchen musst.“
Ich sah den Schlüssel an, den ich noch immer hielt. Er gehörte zu einem Schrank, der uns nicht gehörte. Am Empfang hatte man den Umschlag verwechselt. Ich begann zu lachen und konnte nicht gleich aufhören. Er wartete mit einem amüsierten Ausdruck, ohne mich lächerlich fühlen zu lassen. Vielleicht lachte ich über den Schlüssel. Vielleicht über das Brötchen auf den Stühlen oder darüber, dass ich durch einen Nachmittag gekommen war, ohne „alles gut“ zu sagen, obwohl nichts gut war.
Wir versetzten den Raum in den Zustand zurück, in dem wir ihn gefunden hatten. Theo prüfte das Fenster und zeigte mir den klemmenden Riegel. Er bat mich nicht, einen Stuhl festzuhalten, während er hinaufstieg; er holte eine niedrige Leiter aus dem Flur. Seine Bewegungen hatten eine ruhige Art zu arbeiten. Er konzentrierte sich auf die Schraube, als prüfe niemand, ob ihn das beeindruckend machte.
Während er die Leiter wegstellte, schaltete ich den Rekorder noch einmal an. Ich nahm die Tür, den Flur, einen vorsichtig gezogenen Stuhl auf. Der Ort war nicht still. Trotzdem wirkten die Geräusche nicht mehr wie unterschiedslose Feinde. Ich konnte wählen, was ich mit ihnen tat.
Theo kam, um den Plan zu holen, und ich bot ihm eine Kopfhörerseite an. Er nahm sie, ohne näher als nötig zu kommen. Das Kabel hielt uns nebeneinander, den Blick auf eine fleckige Wand gerichtet. Er hörte das Maßband, dann den Schlüssel. Als die Datei endete, brauchte er eine Sekunde, um mir den Hörer zurückzugeben.
„Klingt, als würde jemand Mut sammeln, um einzutreten“, sagte er.
Ich hatte eine technischere Erklärung vorbereitet: kurzer Anschlag, Pause, Wechsel der Klangtextur. Ich benutzte sie nicht. Seine Beobachtung beschrieb etwas, das ich wochenlang gesucht hatte, ohne es in die Präsentation bringen zu können.
„Kann sein“, antwortete ich.
Er beharrte nicht darauf. Er sagte bis morgen und ging nur mit der Kopie. Ich blieb, um den leeren Raum zu fotografieren. Auf dem Bildschirm wirkte er kleiner als auf der Zeichnung, aber der Anfang war schon dokumentiert. Ich schickte Mara, meiner Mitbewohnerin, das Bild mit der Nachricht: Mein Studio ist ein trauriger Raum geworden, und vielleicht habe ich einen Partner.
Mara antwortete mit einem Foto eines zerlegten Scheinwerfers. Mein Tag ist auch romantisch.
Ich lächelte das Gerät an. Um zehn vor fünf schickte ich Adam die vorläufige Beschreibung, setzte Ruth und Theo in Kopie und hängte ein Blatt mit den Zuständigkeiten an. Bevor ich auf die Schaltfläche tippte, las ich die Unterschrift einmal. Das Projekt blieb in allen von mir geschaffenen Teilen meines. Zusammenarbeit musste das nicht auslöschen. Es gab Platz für einen neuen Menschen, ohne mich von der Seite zu vertreiben.
Bevor ich es abschickte, rief ich meine Mutter an. Sie meldete sich mit dem Geräusch eines Wasserhahns im Hintergrund und fragte, warum ich so leise sprach. An keinem Ende unseres Gesprächs war es mitten in der Nacht; ich hatte nur die Gewohnheit, die Stimme zu senken, wenn ich zugeben musste, dass ein Plan schiefgegangen war.
„Das Studio ist geschlossen. Ein Leck.“
„Und die Arbeit?“
„Geht weiter. Woanders. Glaube ich.“
Sie drehte das Wasser ab. Ich erwartete eine Empfehlung, einen wichtigeren Verantwortlichen aufzusuchen, irgendeinen aufmunternden Satz, den ich dankbar annehmen müsste. Meine Mutter fragte, ob meine Geräte trocken seien. Als ich ja sagte, atmete sie aus und erzählte, sie habe endlich den Riegel am Küchenfenster repariert.
„Der Mann wollte das ganze Fenster austauschen. Dein Onkel kam, sah es sich an und kaufte ein kleines Teil. Es funktioniert.“
„Vergleichst du meine Ausstellung mit einem Fenster?“
„Ich rede mit meiner Tochter, während sie etwas löst. Darf ich vom Fenster erzählen, oder möchtest du lieber ein größeres Problem?“
Ich setzte mich vorsichtig auf den wackeligen Tisch, um Ruths zurückgelassenen Becher nicht umzuwerfen. Meine Mutter hatte diese ärgerliche Gabe, mich einen schwierigen Tag nicht in ein Urteil über die Zukunft verwandeln zu lassen. Ein paar Minuten sprachen wir über die Küche, ein misslungenes Rezept und einen Hund, den mein Onkel angeblich nicht adoptierte. Die Entfernung zwischen unseren Wohnungen wurde kleiner, ohne dass sie so tun musste, als könne sie meinen Raum reparieren.
Vor dem Auflegen fragte ich, ob sie die Arbeit hören wolle, wenn sie fertig sei. Ich bot nicht nur ein Foto der Präsentation oder das Ergebnis des Auswahlverfahrens an. Die Arbeit selbst, mit den Geräuschen, für deren Ordnung ich so viel Zeit aufwandte.
„Ja“, antwortete sie. „Aber schick sie zu einer Zeit, zu der ich mich hinsetzen kann. Ich will dir nicht mitten beim Abwaschen zuhören.“
Ich versprach es. Ich steckte das Telefon weg und kehrte zum Computer zurück. Meine Unterschrift war noch da und wartete, ohne dass ich sie vor einer Bedrohung verteidigen musste, die noch nicht existierte.
Ich schrieb meinen Namen neben seinen.
Das Maß der Stille
Lia
Am Samstag um neun lag Sägemehl am Werkstatteingang, und an der Tür klebte ein Zettel: Vor dem Eintreten klopfen. Ich klopfte. Der Mann, der öffnete, trug eine Schutzbrille über den braunen Augen vom Vortag, und einen Moment fand ich es lustig, jemanden an der Pause vor seinem Lächeln wiederzuerkennen.
„Pünktlich“, sagte Theo. „Ich hatte mit mir selbst gewettet.“
„Du kannst den gewonnenen Teil auszahlen.“
Er gab mir eine zweite Schutzbrille und zeigte auf einen Haken für meine Jacke. Die Werkstatt war warm, voller Holz, geschlossener Dosen und Werkzeuge in eigens geformten Halterungen. Ein großer Ventilator ruhte am Fenster. Weiter hinten prüfte eine Frau an einem Tisch die Ausleihliste. Theo stellte sie als die diensthabende Technikerin vor, sagte, unser Aufenthalt sei bis Mittag genehmigt, und bat mich, das Register zu unterschreiben.
Ich wusste gern, wo seine Verfügbarkeit endete. Ich hatte mit Leuten gearbeitet, die sagten, komm jederzeit, und danach jede Minute mit Seufzern berechneten. Ich trug meinen Namen ein und hängte die Jacke auf. Aus dem Taschenfutter entkam ein alter Beleg. Theo hob ihn auf, bevor ich mich bückte, und gab ihn zurück, ohne auf den Betrag zu schauen.
Auf der Werkbank lagen drei Holzrahmen aus einem früheren Aufbau. Er zeigte mir die Maßetiketten und erklärte, dass wir die geliehenen Teile nicht schneiden durften; nur mit abnehmbaren Beschlägen verbinden. Auf der Oberfläche waren blaue Farbspuren. Ich führte die Hand nah daran vorbei, ohne sie zu berühren, und stellte mir Licht vor, das durch naturfarbenen Stoff fiel.
„So sieht es schön aus“, sagte ich.
„Schön ist gut. Stabil auch.“
Er stellte zwei Rahmen zu einer Ecke und hielt den dritten, um die Anordnung zu zeigen. Es war keine geschlossene Kabine. Es war ein kleiner, an zwei Seiten offener Schutzraum mit einem aus der Mitte gerückten Stuhl. Ein Mensch konnte hineingehen, ohne den Weg des anderen zu kreuzen. Ich sah etwas, das in meinem Plan fehlte: Es musste nicht wirken, als würde der Besucher einer Prüfung unterzogen.
„Darf ich den Stuhl versetzen?“, fragte ich.
„Auf der Zeichnung oder im Leben?“
„Angefangen bei der Zeichnung. Im Leben verhandeln wir.“
Er gab mir ein Blatt. Ich änderte es und radierte zwei Linien aus. Theo beobachtete den Weg des Radiergummis, dann zeigte er auf die Gesamtbreite. Der Aufbau nahm fast die ganze Wand des Raums ein. Er schien zu passen. Wir waren kurz davor, mit dem Aufbau zu beginnen, als mir die Tür einfiel.
„Welches ist das größte Teil, das im Ganzen hineinmuss?“
Theo stand still und sah die drei Rahmen an.
„Diese Seite.“
Wir prüften das Foto des Maßes, das ich gestern aufgenommen hatte. Das Teil würde vielleicht hineinpassen, wenn man es drehte und neigte. Doch im Flur gab es eine Kurve und genau dort, wo wir es anheben müssten, eine niedrige Lampe. Er schloss kurz die Augen und fluchte so leise, dass die Technikerin nicht einmal den Kopf hob.
„Ich habe den Raum gemessen. Die Kurve vergessen.“
Ich wartete auf die Fortsetzung. Eine Bemerkung über meine Zeichnung, meine Eile oder die Notwendigkeit, dass jemand anderes sich um die Details kümmerte. Sie kam nicht. Theo zog das Band heraus, markierte den Abstand auf dem Werkstattboden und baute mit zwei Böcken einen imaginären Flur.
„Testen wir es, bevor wir entscheiden, dass ich den Vormittag verloren habe.“
Wir hielten den Rahmen an den gezeigten Stellen. Er war schwerer, als er aussah, doch er versuchte nicht, ihn mir aus den Händen zu nehmen. Er fragte nur, ob das Gewicht angenehm sei. Wir nahmen die Kurve einmal. Die Ecke stieß gegen den Bock. Wir änderten die Neigung. Die Spitze reichte genau dorthin, wo die Lampe wäre. Einen dritten Versuch brauchten wir nicht.
Wir stellten das Teil in die Halterung. Mir klebte eine Haarsträhne am Mund, und ich hatte unerwartet Lust zu lachen. Der Fehler war wirklich, aber er war vor einem Flur voller Publikum geschehen, vor zwei Menschen, die ihren jeweiligen Anteil übernehmen konnten.
„Ich hätte daran denken sollen, als ich das Foto gemacht habe“, sagte ich.
„Und ich hätte nach dem Maß fragen sollen. Machen wir aus einer Tür kein Charakterurteil.“
Er nahm die Brille ab, um einen Fleck vom Glas zu wischen. Ich mochte seine Hände. Es war eine unpassende, konkrete Information, die sich schwer an der richtigen Stelle meines Kopfes verstauen ließ. Neben seinem Zeigefingernagel saß ein kleiner grauer Farbfleck. Als er die Brille wieder aufsetzte, widmete ich mich mit unnötigem Eifer dem Plan.
Wir verringerten die Höhe mit einem anderen Rahmen aus dem Bestand und verteilten die Seiten als eigenständige Paneele. Der Entwurf verlor sein Aussehen als privates Zimmer. Dafür gewann er Bewegungsraum. Theo zeichnete die nummerierten Teile und fotografierte den Probeaufbau. Ich hielt die Entscheidung in der gemeinsamen Datei fest, die ich am Vorabend erstellt hatte.
„Dokumentierst du alles?“, fragte er.
„Nur das, was später bestritten werden kann.“
Der Satz klang härter als beabsichtigt. Theo legte den Bleistift auf die Werkbank.
„Ich möchte wissen, ob ich etwas tun muss, damit du nicht Wache halten musst.“
Ich hätte mit einer praktischen Auskunft antworten sollen. Stattdessen sah ich auf die Zeichnung. Ich kannte diesen Mann nicht gut genug, um ihm eine ganze Geschichte zu geben; gut genug, um ihn nicht für jemand anderen bestrafen zu wollen.
„Uns beide in Nachrichten in Kopie setzen“, antwortete ich. „Fragen, bevor sich der Umfang ändert. Solche Dinge.“
„Abgemacht.“
Er verlangte keinen Grund. Das Thema wechselte, weil die Technikerin die Beschläge prüfen kam, nicht weil er eilig so tat, als hätte er nichts gehört.
Gegen halb elf machten wir draußen Pause. Theo hatte zwei Äpfel mitgebracht und bot den zweiten an, bevor er die Tüte öffnete. Ich hatte Kaffee im Thermobecher und zerbrochene Kekse in einer kleinen Dose dabei. Wir setzten uns auf die Stufe zum Wirtschaftshof. Die Luft roch nach nassem Holz. Durch die Tür hörte man noch die Werkstatt, ferne, geordnete Arbeit.
„Studierst du von Anfang an Bühnenbild?“, fragte ich.
„Seit ich gemerkt habe, dass Gebäude zu zeichnen angenehmer ist, wenn sie nach zwei Wochen verschwinden dürfen.“
„Flucht vor architektonischer Bindung.“
„Sparen an Reue.“
Er biss in den Apfel. Ich lachte und trank einen Schluck Kaffee. Er war schon lauwarm, doch der Becher wärmte meine Hände. Theo sah zum Himmel und prüfte etwas, das ich nicht bestimmen konnte. Als ich fragte, ob er Regen erwarte, erklärte er, er müsse am Schichtende Material in ein unüberdachtes Lager bringen.
„Machst du hier alles?“
„Nein. Ich wirke nur unentbehrlicher, wenn du mich samstags triffst.“
Er erzählte, er habe das Studium in diesem Semester wieder aufgenommen. Das vorige hatte er unterbrochen, um nach einer Operation bei seiner Mutter zu bleiben. Er beschrieb die Krankheit nicht und bot das Geständnis nicht als Passwort zur Intimität an. Er sagte, sie erhole sich gut und beschwere sich wieder über die Vorhänge ihres Hauses, was er ermutigend fand.
„Sie will alle austauschen“, ergänzte er. „Ich habe gesagt, ich könne Muster mitbringen. Jetzt bekomme ich schon vor dem Frühstück Fensterfotos.“
„Meine Mutter schickt Flugangebote, wenn sie mich vermisst, und tut so, als betreibe sie Marktforschung.“
„Woher kommst du?“
Ich erzählte von der Stadt, in der ich in Brasilien aufgewachsen war, vom Englisch, das ich bei einer strengen Lehrerin und mit Serien ohne Untertitel gelernt hatte, von der ersten Woche in Camden, als ich den Bus verpasst hatte, weil ich mich nicht traute, den Fahrer nach der richtigen Schlange zu fragen. Ich wollte meine Geschichte weder schwieriger noch leichter erscheinen lassen als seine.
Theo hörte mit den Ellbogen auf den Knien zu. Er sagte nicht, er habe mein Land schon immer besuchen wollen, und versuchte auch nicht, meinen Namen auf schmückende Weise auszusprechen. Er fragte, ob ich gern hier lebte. Eine einfache Frage, gerade deshalb selten, weil sie keine Werbung verlangte.
„An manchen Tagen. An anderen mag ich das, was ich hier zu tun versuche. Das hilft.“
Vor der Antwort sah er auf den Apfel.
„Ja. Den Unterschied verstehe ich.“
Die Pause dauerte lange genug, dass ich einen kleinen Vogel am Dachrand bemerkte. Das Tier trug etwas zu Langes im Schnabel und versuchte beharrlich, damit durch eine enge Lücke zu kommen. Wir sahen beide ihn an, dann einander. Theo begann vor mir zu lachen.
Wir kehrten mit einer kleinen Vertrautheit zur Werkbank zurück, so groß wie ein Witz, den man später nicht erklären musste. Wir arbeiteten bis Mittag. Ich lernte, Verbindungen festzuziehen, ohne das Holz zu beschädigen, und Muttern nach Größe zu sortieren statt nach dem Aussehen. Theo hörte meine Kofferaufnahme und erkannte das Geräusch einer kaputten Rolle. Er fragte, ob das beabsichtigt sei. Ich antwortete, mir fehle das Geld für einen neuen Koffer, und er wurde kurz rot.
„Du darfst lachen“, sagte ich. „Ich habe auch gelacht, als mir auffiel, dass mein bester Klangeffekt ein Gepäckschaden war.“
„Ich will nicht über den falschen Teil lachen.“
Ich mochte ihn ein bisschen mehr, weil er das gesagt hatte, ohne mich zu einem zerbrechlichen Menschen zu machen. Ich legte die Kopfhörer auf die Werkbank und zeigte ihm, wie dieselbe Passage sich veränderte, wenn wir die tiefsten Frequenzen herausnahmen. Theo neigte aufmerksam den Kopf. Unsere Nähe hatte eine perfekte Rechtfertigung und war für mich schon nicht mehr ganz unschuldig.
Um zehn vor zwölf räumten wir alles weg. Die Technikerin prüfte die Paneelausleihe für Montag und schloss den Beschlagschrank. In den Projektraum würden wir an diesem Samstag nicht kommen, doch Theo schlug einen Abstandstest im öffentlichen Gebäudeflur vor. Wir trugen nur zwei Stoffstücke und meinen kleinen Lautsprecher, nichts, wofür das Labor geöffnet werden musste.
Ich wollte testen, wie stark der Stoff die Klangwahrnehmung veränderte. Theo hielt ein Ende, während ich den Lautsprecher dahinterstellte. Das Ergebnis war fast nichts. Ich hatte gewusst, dass es wenig sein würde, aber laut gehört ließ sich die Idee unmöglich mit Fachsprache schützen. Ein im Obergeschoss eingeschalteter Staubsauger besiegte die ganze Aufnahme.
„Vielleicht mit Kopfhörern“, sagte Theo, als ich ausschaltete.
„Mit Kopfhörern funktioniert es. Ich weiß nur nicht, ob es dann noch eine Installation ist oder ein Stuhl mit einem verlegenen Menschen darin.“
„Was soll mit dem Menschen passieren, der sich setzt?“
Ich sah den lockeren Stoff zwischen uns an. Ich hätte den Anmeldungstext aufsagen können. Ich tat es nicht.
„Jemand soll etwas wiedererkennen. Die Schwierigkeit, an einem Ort anzukommen und zu verstehen, was von einem erwartet wird. Aber meine Geräusche erzählen diesen Teil nicht. Sie sind nur … gut aufgenommen.“
Theo faltete das Stoffende, damit es nicht über den Boden schleifte.
„Könnte ein Mensch sprechen?“
„Ja. Wenn er möchte. Wenn ich es schaffe, kein schreckliches Interview zu führen.“
„Du hast heute viele gute Fragen gestellt.“
Die Bemerkung kam ohne Nachdruck und ließ sich deshalb schwer abtun. Bevor ich antwortete, klingelte sein Handy. Seine Mutter. Theo zeigte mir den Bildschirm wie eine Bitte um eine Minute und ging ans Fenster, um dranzugehen. Ich hörte nur seine Stimme: ja, der helle Vorhang, aber vielleicht besser erst aufs Muster warten. Ich lächelte für mich und begann, den Lautsprecher einzupacken.
Kurz darauf antwortete Ruth auf die Nachricht über unseren Test. Sie sah das kurze Video an, das ich geschickt hatte, bestätigte, dass der Stoff keine Dämmung bot, und bat uns, am Dienstag eine reduzierte Version mitzubringen. Ihr Ton blieb praktisch: Sicherheit, Durchgänge, Erfahrung für Menschen ohne Kopfhörer. Am Ende ergänzte sie, eine Mitarbeiterin des Universitätsverkehrs habe nach dem Projekt gefragt, nachdem sie das vorläufige Plakat im Flur gesehen hatte.
Sie hieß Cora. Ruth hatte um Erlaubnis gebeten, mir ihre Kontaktdaten zu geben. Ich las die Nachricht zweimal. Jemand, den ich nicht kannte, wollte über das Ankommen sprechen. Ich hatte mir vorgestellt, müde Kommilitonen um Gefallen zu bitten, nicht ein Angebot zu bekommen.
Als Theo zurückkam, zeigte ich ihm den Bildschirm. Er versuchte nicht, für mich zu entscheiden. Er fragte nur, wo ich mich beim Interview mit jemandem wohlfühlen würde. Ich antwortete: an einem Ort, an dem die Person wisse, was sie tue. Wenn Cora ihre Tage in Bussen verbrachte, brauchte sie vielleicht meinen Raum nicht, um eine Geschichte zu erzählen.
Wir verließen das Gebäude kurz nach Mittag. Er musste einen Wagen aus dem Lager holen, ich hatte später eine Schicht im Imbiss. Wir gingen bis zur Gabelung der Allee. Theo trug die Stofftüte, ich den Rekorder im Etui, geschützt im Rucksack. Der Wind hob eine Tütenecke; er drückte sie mit einem so ernsten Ausdruck an sich, dass ich auch das gern aufgenommen hätte.
An der Gabelung hing ein Hinweis auf eine Linienänderung schief am Pfosten. Theo las ihn, während ich die App prüfte. Wegen einer Sportveranstaltung würde mein Bus hier nicht halten. Ich spürte den Ärger aufsteigen, bevor ich die neue Haltestelle fand. Bis zu meiner Schicht blieb wenig Zeit, und ich musste durch eine Allee, die ich nicht gut kannte.
„Ich kann dir den Weg zeigen“, bot Theo an. „Das Lager liegt in der Richtung.“
Ich wollte annehmen, ohne zu wirken, als könne ich keiner Karte folgen. Das Interview, das wir vielleicht morgen führen würden, existierte noch gar nicht, aber plötzlich verstand ich, warum die Frage nach dem Ankommen weniger banal sein konnte als gedacht.
„Ja, bitte“, antwortete ich. „Ich habe keine Zeit, mich würdevoll zu verlaufen.“
Er nahm die Stofftüte, und wir gingen über den Wirtschaftshof, weit vom Ladeeingang entfernt. Theo zeigte einen offenen Durchgang neben der Sporthalle. Ich war immer um das Gebäude herumgegangen, ohne zu wissen, dass dort ein für Fußgänger erlaubter Weg war. Es war kein Universitätsgeheimnis. Nur eine Information, die andere bekamen, weil sie gefragt hatten.
An der neuen Haltestelle las eine ältere Dame den Hinweis und sah in beide Richtungen. Ich nannte ihr die Liniennummer, zeigte die Ankunftsprognose auf dem Telefon und deutete auf den Platz, an dem der Bus halten würde. Theo blieb neben mir, ohne eine bessere Erklärung hinzuzufügen. Als sie dankte, empfand ich eine unverhältnismäßige Freude darüber, nützlich gewesen zu sein, ohne alle Antworten haben zu müssen.
„Kommt dein Bus rechtzeitig, damit du dort bist?“, fragte er.
Ich prüfte den Schichtbeginn und nickte. Elf Minuten würden übrig bleiben. Theo sagte, er müsse zurück, wartete aber, bis ich die Route an mein eigenes Telefon geschickt hatte. Er begleitete mich nicht zur Arbeit und machte aus der Hilfe keinen Grund, den ganzen Tag umzuorganisieren.
Beim Wegstecken entdeckte ich eine Nachricht der Werkstatttechnikerin mit einem Foto des Ausleihregisters. Unser Material war bestätigt. Das Projekt hatte einen Weg hinaus. Ich auch.
„Morgen, wenn Cora antwortet?“, fragte ich.
„Ich kann kommen. Ich kann aber auch wegbleiben, wenn du lieber allein interviewst.“
„Mir ist lieber, du kommst.“
Die Antwort entkam mir ganz. Theo hielt einen Moment inne und schenkte mir ein Lächeln, das nicht mehr ganz das aus der Werkstatt war.
„Dann schick mir die Uhrzeit.“
Ich stieg mit dem ungegessenen Apfel in der unversehrten Jackentasche in den Bus. Am Fenster schrieb ich Cora, stellte mich vor, erklärte, sie müsse nichts Persönliches teilen, und fragte, ob ich ihr die Einzelheiten schicken dürfe. Danach öffnete ich die ursprüngliche Kabinenzeichnung. Der Stuhl wirkte zu einsam in der Blattmitte. Ich machte daneben einen Strich, nur als Erinnerung, dass es andere Möglichkeiten gab, einen Menschen in einen Raum zu setzen.
Auf der Straße verdunkelten die ersten Tropfen den Asphalt. Ich wusste noch nicht, ob ich die Präsentation retten konnte. Ich wusste, dass die alte Lösung nicht einmal dem Staubsauger im Stockwerk darüber standhalten würde.
Der Regen konnte in diesen Raum eindringen; wir würden auf etwas anderes hören müssen.














































