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Die Frau aus Los sieben — Kostenlose Dark RomanceGratis · Exklusiv

Kostenlose Dark Romance

Die Frau aus Los sieben

Wegen einer Schuld versteigert, findet eine Klavierstimmerin im Instrument ihres Käufers die letzte Spur ihrer verschwundenen Schwester.

Düstere M/F-Liebesgeschichte für Erwachsene mit einer Klavierstimmerin, krimineller Nötigung und Vertrauen, das wachsen muss.

Küsse und sinnliche Spannung; kein grafisch beschriebener Sex. Enthält Gefangenschaft, kriminelle Nötigung, Bedrohung und nicht grafisch beschriebene Gewalt.

  • Erzwungene Schuld
  • Geheime Auktion
  • Erzwungene Nähe
  • Berufstätige Heldin
  • Moralisch Verstrickter Mann
  • Erarbeitetes Vertrauen

🌶️ Etwa 95 Min. Lesezeit · 21.885 Wörter

Teresa Nunes kennt das Gewicht eines Werkzeugs und den Klang einer kaputten Mechanik. Sie duldet nicht, dass ihre Hände Teil einer Schuldeneintreibung werden. Dante Moura hat für sieben Nächte bezahlt, doch er braucht sie, um eine Pianolarolle zu öffnen, die jemand zerstören will. Zwischen Arbeit, Bedrohung und Anziehung muss er mehr als Geld riskieren, damit Teresa sich entscheiden kann zu bleiben.

Bücher von Alisson Bento

Comprada pelo Maestro Sombrio

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Der Hammer

Teresa

Der Nagellack, den Helena mir aufgetragen hat, beginnt abzublättern, bevor mir jemand erklärt, warum auf dem Tisch ein Etikett mit meinem Namen liegt. Ich reibe den Daumen am Zeigefinger und löse einen kleinen roten Halbmond ab. Meine Schwester hat auch die Farbe des Kleides ausgesucht. Sie sagte, kein Gläubiger gewähre jemandem einen Nachlass, der schon wie eine Verliererin gekleidet ankomme. Jetzt möchte ich sie fragen, welchen Nachlass jemand bekommt, der ohne Werkzeugtasche erscheint und dem ein Mann die Treppe versperrt.

„Sie haben von einer Begutachtung gesprochen“, sage ich.

Artur Faria rückt das Etikett zurecht. Er sieht den Wachmann nicht an. Das braucht er nicht.

„Und genau die nehmen wir vor, Teresa.“

Hinter ihm stehen ein Cello mit umgefallenem Steg, zwei Konzertbänke und ein geschlossener Flügel. Auf jedem Stück eine Nummer. Auf dem Papier vor mir ist die Sieben mit frischerer Tinte gedruckt als mein Name. Der Klebstoff auf der Rückseite glänzt noch. Ich mache einen Schritt auf das Etikett zu, und der Mann an der Treppe schiebt seinen Schuh vor.

„Meine Tasche.“

„Bekommen Sie zurück“, sagt Faria.

„Wann?“

Er berührt seine Uhr, ohne die Zeit abzulesen. Die einstudierte Geste macht mir mehr Angst als eine grobe Antwort. In der Werkstatt erkenne ich, wenn jemand nur an einer Schraube dreht, um beschäftigt auszusehen. Hier macht der Mann im hellen Anzug dasselbe mit meiner Frage.

Vielleicht war dieser Keller einmal eine Garderobe. Unter dem beigen Anstrich kleben noch quadratische Spiegel an der Wand. Eine Lampe in meiner Nähe wärmt meine nackte Schulter; die andere flackert über einem leeren Kleiderständer. Das weinrote Kleid spannt an meinen Knien, als ich mich bücke, um den Verschluss meiner Sandale zu prüfen. Ich tue so, als müsste ich ihn enger stellen. Ich will unter den Tisch sehen, den Abstand zur Tür abschätzen, irgendetwas ansehen außer dem Lächeln des Gläubigers.

Ein zweiter Ausgang ist nicht zu erkennen.

Helena geht seit dem Nachmittag nicht ans Telefon. In ihrer letzten Nachricht schrieb sie, sie kümmere sich um eine Lieferung und ich solle nichts mehr unterschreiben. Ich las sie im Bus, nachdem ich die Einladung zur Begutachtung angenommen hatte. Als ich ankam, versuchte ich, zurück auf die Straße zu gehen. Faria sagte, die Besprechung dauere nur wenige Minuten. Der Fahrer nahm meine Tasche, damit ich Wasser trinken konnte. Dann nahm er mein Telefon, um es aufzuladen. Ich ließ kleine Dinge zu, eines nach dem anderen. Jetzt sind die Teile rings um mich zusammengesetzt.

„Ich bürge für einen Kredit“, sage ich langsam. „Ich bin gekommen, um über Raten zu sprechen. Ich habe kein Instrument zum Verkauf mitgebracht.“

„Ihre Schwester hat die Vereinbarung nicht eingehalten.“

„Dann zeigen Sie mir die Abrechnung.“

Er öffnet eine Mappe und fährt mit dem Finger eine Spalte entlang. Auf dem letzten Blatt erkenne ich meine Unterschrift. Darüber stehen allerdings Zeilen, die auf meiner Kopie fehlten. Ich ziehe am Papier. Faria hält es mit zwei Fingern fest, scheinbar mühelos.

„Das habe ich nicht unterschrieben.“

„Der Zweck ist derselbe geblieben. Die Verbindlichkeit abzusichern.“

Meine Schwester fuhr monatelang einen Lieferwagen, dessen Motor an Steigungen kochte. Ich erklärte mich zur Bürgschaft bereit, weil ich die Strecke kannte, die Kunden, das Geld, das hereinkommen würde. Die Firma, die den Vorschuss für die Reparatur gewährte, kannte ich nicht. Faria kam mit Quittungen und einem empfohlenen Mechaniker. Als die erste Zahlung nicht aufzufinden war, überwies Helena ein zweites Mal. Als auch die zweite verschwand, fuhren wir zusammen zur Büroadresse. Dort waren ein Rolltor und ein Laden für Handyhüllen. Die junge Frau hinter dem Tresen hatte noch nie von ihnen gehört.

Ich hätte mir an diesem Tag Hilfe suchen müssen. Der Gedanke kommt nutzlos und pünktlich, mit derselben Grausamkeit wie die Aufträge, für die man mich braucht, wenn das Holz schon gerissen ist.

„Die Verbindlichkeit ist finanzieller Art“, erwidere ich. „Sie können den Wortlaut nicht ändern.“

„Ich kann eine Lösung anbieten, damit Ihre Schwester nicht in eine unangenehme Schuldeneintreibung hineingezogen wird.“

Das Spiegelquadrat an der Wand zerteilt mein Gesicht. Ich sehe ein braunes Auge und einen Mundwinkel. Mein Kinn liegt außerhalb des Ausschnitts. Ich neige den Kopf, bis ich die Narbe finde, die ich mir mit neun zugezogen habe, als ich von Helenas Fahrrad fiel. Ich muss mein ganzes Gesicht wiedererkennen, bevor ich weiterspreche.

„Wo ist sie?“

Faria schließt die Mappe.

„Das wüsste ich gern.“

Zum ersten Mal glaube ich ihm einen Satz. Dass meine Schwester fehlt, scheint ihm nicht zu gefallen. Die Angst verändert ihre Gestalt. Falls Helena entkommen konnte, soll sie fortbleiben, selbst wenn ich deshalb ihre Stimme nicht höre.

Der Mann an der Treppe erhält ein Zeichen und öffnet die Tür. Musik aus dem oberen Stockwerk dringt in Bruchstücken herunter: zwei Töne, ein Lachen, das dumpfe Aufsetzen eines schweren Gegenstands. Faria befestigt das Etikett an einem Band und hält es mir hin.

Ich nehme es nicht.

„Niemand kann meine Hände an meiner Stelle versprechen.“

Jetzt sieht er mich ohne sein Dienstleistungslächeln an.

„Benutzen Sie sie heute Abend gut.“

Der Wachmann berührt meinen Ellenbogen. Ich schüttle den Arm ab, bevor er richtig zugreifen kann. Er versucht es nicht noch einmal; er rückt mit der Brust an meinen Rücken, und mir bleibt nur die Wahl, zu gehen oder geschoben zu werden. Ich steige hinauf. Aus beruflicher Gewohnheit zähle ich die Stufen, so wie ich Tasten zähle, ohne hinzusehen, verliere aber den Faden, als ich den Saal erreiche.

Die Stühle stehen in zwei kurzen Reihen. Keine Menschenmenge, in der ich verschwinden könnte. Männer und zwei Frauen halten Kataloge ohne Einband in den Händen. Neben einer Säule sammelt ein Kellner Gläser ein. Hinten führt eine Doppeltür auf die Straße. Der Riegel ist zu sehen, so gewöhnlich, dass ich weinen möchte.

„Ich muss hier raus“, sage ich zum Kellner.

Er senkt den Blick auf sein Tablett. Vielleicht hat er mich nicht gehört. Vielleicht muss ich lauter sprechen. Ich öffne den Mund, und Faria packt meinen Arm, während er den Stuhlreihen zulächelt, als hätte ich etwas Witziges gesagt.

„Die Fachfrau ist gekommen, um den Zustand einiger Stücke vorzuführen.“

„Deswegen bin ich nicht hier.“

Ein Mann mit gelockerter Krawatte hebt den Kopf. Auf seiner Manschette ist ein Weinfleck. Sein Blick wandert über mein Kleid und bleibt an dem Etikett hängen, das Faria jetzt neben meine Schulter hält.

„Ist sie die Sicherheit?“

Die Luft entweicht so schnell aus meiner Lunge, dass mir die Brust wehtut. Faria hält mich weiter fest. Ich suche die Frauen, aber eine blättert im Katalog und die andere betrachtet mich mit kalter Aufmerksamkeit, an der Antwort interessiert. Ein ähnliches Gesicht zu suchen verschafft mir noch keine Verbündete.

„Sieben Nächte fachkundiger Dienste“, verkündet Faria. „Mit der Möglichkeit einer vorzeitigen Tilgung durch den Erwerber.“

„Den Erwerber wovon?“, frage ich laut.

Der Mann mit der befleckten Manschette lacht.

„Sie stellt Fragen.“

„Das tue ich. Fällt es Ihnen schwer, sie zu beantworten?“

Er legt den Katalog auf den Sitz und kommt zu uns. Faria lässt mich los, um ihn zu begrüßen. Ich nutze die Lücke, gehe seitwärts auf die Tür zu und stoße auf den Wachmann, der hinter mir heraufgekommen ist. Er muss mich nicht noch einmal anfassen. Er legt den Daumen auf den Knopf seines Funkgeräts und sieht mich an. Der Mann mit der Krawatte packt mein Kinn, bevor ich zurückweichen kann.

Auf dem kleinen Tisch in meiner Reichweite steht ein Weinglas.

Ich fasse es am Stiel und schlage den Kelch gegen die Steinkante. Das Knacken durchschneidet die Gespräche. Ich halte den Rest auf das Handgelenk gerichtet, das mich berührt hat. Der Wein läuft über den Tisch, nicht über meine Hand. Ich habe früh gelernt, darauf zu achten, wo Glas nachgibt; ich habe Vitrinenscheiben für Instrumente ersetzt, deren Besitzer sich keinen Glaser leisten konnten.

„Nehmen Sie die Hand weg.“

Er tut es.

Eine Sekunde lang höre ich nur einen scharrenden Stuhl. Meine Hand beginnt erst zu zittern, als mir auffällt, dass alle sie ansehen. Ich umklammere den Stiel fester. Ich will niemanden schneiden. Ich will den Riegel erreichen. Der Abstand zwischen beidem scheint unermesslich.

„Den Ärger ist sie nicht wert“, sagt der Mann.

„Dann bieten Sie nicht mit.“

Die Stimme kommt aus der zweiten Reihe. Ein Mann steht ohne Eile auf. Sein schwarzer Mantel hängt offen über einem Hemd derselben Farbe. An seinen Schläfen sind ein paar graue Haare, durch die rechte Augenbraue zieht sich eine alte Schnittnarbe. Er lächelt nicht, um mich zu beruhigen. Erst sieht er auf die Scherbe, dann auf den Wachmann neben der Tür.

Faria macht eine kurze Pause.

„Dante. Du bist wegen des Flügels hier.“

„Ich entscheide noch, was ich mitnehme.“

An seinem linken Zeigefinger steckt ein silberner Ring. Das fällt mir auf, weil seine Hand zwischen mir und dem Mann mit der Krawatte liegt, ohne einen von uns zu berühren. Die unerwartete Barriere erlaubt mir, das Glas etwas zu senken. Ich hasse es, wegen eines Fremden Erleichterung zu spüren, der davon spricht, Dinge mitzunehmen, während er mich ansieht.

„Stellen Sie das Glas auf den Tisch“, sagt Dante.

„Sorgen Sie dafür, dass der Mann von der Tür weggeht.“

Seine schwarzen Augen begegnen meinen. Er versteht, dass ich nicht den Käufer meine. Er sieht Faria an. Doch kein Befehl fällt. Keine Tür öffnet sich. Die Hilfe, die ich mir ausgemalt habe, endet, bevor sie den nötigen Ort erreicht.

„Arbeiten Sie mit Klavieren?“, fragt er.

„Ja. Das macht mich nicht zu einem.“

„Ich weiß.“

„Dann sprechen Sie so mit mir, als wüssten Sie es.“

Ein Luftzug streicht durch den Saal, und die Hängelampe schwankt. In dem ausgestellten Flügel hinter Dante vibriert etwas Metallisches. Keine Saite. Ein loses Teil am Pedal, das auf den Fußboden reagiert. Mein Blick wandert hin, bevor ich es verhindern kann. Meine berufliche Neugier überlebt den denkbar schlechtesten Augenblick für ihre Existenz.

Dante folgt meinem Blick.

„Was ist kaputt?“

„Mehr als eines.“

„Was haben Sie gehört?“

„Eine anschlagende Stange. Wenn jemand kräftig auftritt, kann die Mechanik blockieren. Probieren Sie es jetzt nicht aus.“

Faria wirft dem Mann bei den Pedalen einen Blick zu. Er zieht den Fuß zurück. Die unfreiwillige Vorführung ist beendet. Mir wird plötzlich übel: Ich habe den Käufern gerade meinen Wert gezeigt, weil ein Teil von mir es nicht erträgt, wenn jemand eine Mechanik beschädigt.

Vorsichtig stelle ich das Glas auf den Tisch. Die Bruchkanten zeigen nach innen. Falls man mich von hier fortbringt, soll sich der Kellner beim Wegräumen der Reste nicht schneiden. Der Gedanke ist so klein, so unangemessen, dass ich beinahe lache.

„Ich will mein Telefon“, sage ich. „Und jemanden hier, der mir zuhört, ohne einen Preis auszuhandeln.“

Niemand antwortet. Die Frau mit dem Katalog schlägt die Beine übereinander und sieht weg. Der Mann mit der Krawatte kehrt zu seinem Stuhl zurück. Dante steht weiter vor mir, und ich spüre den Raum, den sein Körper einnimmt, ohne dass er näher kommt. Faria scheint auszurechnen, was nach dieser Unterbrechung noch zu retten ist.

„Die Bedingungen sind einfach. Unterbringung, Arbeit, Tilgung der Schulden am Ende des Zeitraums. Das Instrumentenlos bleibt davon getrennt.“

„Es gibt keine Bedingung, die mich zwingt, im Haus eines Fremden zu schlafen“, sage ich.

„Es gibt Schwierigeres als einen vorübergehenden Dienst, Teresa.“

Der Name meiner Schwester muss nicht noch einmal fallen. Er liegt in der Pause, in der Mappe in seiner Hand, in der Erinnerung an den blauen Lieferwagen, der nach der Reparatur die Werkstatt verließ. Der neue Motor klang so gut, dass Helena am Steuer weinte. Ich lachte sie aus. Ich versprach, bald würden wir einen gebrauchten Lastenaufzug kaufen und müssten nicht mehr um Gefallen bitten.

Dante nennt eine Summe. Ich kann sie mir nicht merken. Faria neigt den Kopf zu den Stuhlreihen.

„Für das Instrument und die Sicherheit?“

„Für die Tilgung ihrer Schulden.“

Der Mann mit dem Wein hebt die Hand und legt etwas drauf. Die kalte Frau hebt einen Finger. Das nächste Gebot kommt von Dante. Jede Antwort erfolgt ohne Zögern, und der Schrecken bekommt einen Rhythmus. Ich kann den Hammerschlag vorausahnen, noch bevor Faria ihn hebt.

„Ich bin nicht einverstanden“, sage ich.

Dante hört mich. Ich sehe es an dem Muskel, der neben seinem Mund zuckt. Trotzdem bietet er mehr.

Faria schlägt den Hammer auf das Holz.

Der Laut ist kurz. Nichts daran dürfte imstande sein, mein Leben zu verändern. In der Werkstatt richtet ein kleiner Hammer Dübel aus, setzt Teile ein und gibt einem Gefüge wieder Festigkeit. Dieser hier bewirkt nur, dass die Männer sich auf ihren Stühlen entspannen, zufrieden, weil etwas erledigt ist.

„Der Flügel bleibt“, sagt Faria zu Dante. „Für diesen Betrag kannst du nicht beides mitnehmen, das weißt du.“

Dante sieht ein letztes Mal auf das Klavier. Der Verlust hat für ihn ein sichtbares Gewicht, auch wenn ich nicht weiß, welches. Es rührt mich nicht. Mein Wert ist gerade mit dem von lackiertem Holz verglichen worden, und ich weigere mich auszurechnen, wer dabei verloren hat.

Faria übergibt meine blaue Tasche. In Dantes Hand wirkt sie kleiner. Der Riemen ist mit orangefarbenem Garn geflickt, eine Naht, die ich im Bus gemacht habe. Sie zu erkennen gibt mir einen nützlichen Zorn zurück.

„Die gehört mir.“

„Sie kommt mit Ihnen“, sagt er.

„Ich habe Sie gebeten, sie mir zu geben.“

„Wenn wir draußen sind.“

Ich habe Faria meinen Käufer bereits Dante nennen hören, weiß aber noch immer nicht, wem die Hand gehört, die den Riemen festhält. Ich will mich an diese Weigerung erinnern, auch wenn die Straße draußen alles andere wie einen Gefallen erscheinen lässt.

Faria kommt näher, um ihm eine Mappe zu reichen. Dante nimmt sie nicht an. Er verlangt mein Telefon. Das Gerät kommt aus der Tasche des Wachmanns, eingeschaltet, ohne irgendein Ladegerät. Der Akku ist fast voll. Ich strecke die Hand aus, und diesmal legt Dante es hinein. Ich tippe auf Helenas Namen. Der Anruf landet auf der Mailbox.

„Für andere Verpflichtungen bleibt sie weiterhin verantwortlich“, sagt Faria. „Das sollten Sie nicht vergessen.“

„Ich habe es gehört“, erwidert Dante. „Und jetzt treten Sie zurück.“

Der Gläubiger breitet die Arme aus wie ein Gastgeber, der den Weg freigibt. Die Doppeltür wird von innen entriegelt. Dante wartet, bis ich vorausgehe, aber der Wachmann begleitet uns bis zum Auto hinunter. Ich darf eine geöffnete Tür nicht mit der Möglichkeit verwechseln, jedes beliebige Ziel zu wählen.

Draußen sind auf der anderen Straßenseite Menschen in einer Bäckerei. Der beleuchtete Tresen erscheint mir unmöglich, ein Schaufenster gewöhnlichen Lebens. Ich mache einen Schritt zum Fußgängerüberweg, und Afonso, wie Faria den Wachmann nennt, hält mir seinen Arm in den Weg.

„Das Auto steht hier.“

„Ich habe die Bäckerei gesehen.“

Dante dreht sich um. Afonso senkt mit berechneter Verzögerung den Arm. Keiner der beiden sagt, ich könne Brot kaufen gehen. Langsam gehe ich am Auto entlang, suche nach Kennzeichen, Farbe, irgendetwas, das ich in einer Nachricht verschicken kann. Meine Finger treffen die Buchstaben nicht. Ich schreibe Norma nur, dass ich Schwierigkeiten habe, und ergänze dann den Straßennamen. Afonso blickt auf den Bildschirm. Ich drehe das Telefon gegen meine Brust.

„Fassen Sie sie nicht an“, sagt Dante.

„Farias Befehl war, sie bis zum Ausgang zu begleiten.“

„Das haben Sie getan.“

Afonso geht ins Gebäude zurück. Dante zieht den Mantel aus und hält ihn mir hin, um meine Schultern zu bedecken. Ich nehme ihn an, weil mir vor Kälte die Zähne klappern. Die Wolle fällt schwer über das Kleid, und der Saum berührt beinahe den Boden. Ich bedanke mich nicht. Er öffnet die hintere Tür; ich bleibe stehen.

„Wohin?“

„Zu mir nach Hause. Dort gibt es eine Werkstatt.“

„Und meine Schwester?“

„Ich weiß nicht, wo sie ist.“

„Können Sie es herausfinden?“

Er könnte mir alles versprechen. Faria versprach eine Begutachtung, eine Vereinbarung, wenige Minuten. Ich warte mit einer Aufmerksamkeit auf den nächsten Satz, die wehtut.

„Ich kann versuchen, mit Leuten zu sprechen. Ich werde keine Antwort erfinden.“

Ich stecke das Etikett mit der Sieben in die Manteltasche. Ich habe gar nicht bemerkt, wann ich es Faria aus der Hand gerissen habe. Das Papier streift meine Finger, und es aufzubewahren ist die erste Entscheidung dieses Abends, gegen die niemand etwas einzuwenden hat. Ich steige mit leuchtendem Telefon ins Auto und schreibe Norma den Namen, den ich gerade gehört habe. Dante Moura. Ich bitte sie, ihn aufzubewahren. Das Sendesymbol erscheint, bevor ich den Kopf hebe.

Er sieht den Bildschirm. Dann mich, und zur Angst gesellt sich etwas: eine unwillkürliche, unangenehme Neugier auf den Mann, der für etwas bezahlt hat, das ich nicht angeboten habe. Ich lasse nicht zu, dass diese Frage die vorigen auslöscht.

Der Mann, der sieben Nächte gekauft hat, hat gerade die Autotür geschlossen.

Das Haus, das lauscht

Teresa

Das Tor beginnt sich zu schließen, bevor ich den Gurt löse. Im Licht des Wagens sehe ich das Eisen über die Schiene gleiten, langsam genug, dass ich abschätze, ob ich noch hindurchkäme. Draußen steht ein Mann neben dem Wachhäuschen. Dante gibt ihm ein Zeichen, und er bleibt, wo er ist. Er trägt eine andere Uniform als Afonso. Der Unterschied verschafft mir keinen freien Weg.

„Wie heißt er?“, frage ich.

„Raul. Er arbeitet nachts hier.“

„Weiß er, was passiert ist?“

Dante stellt den Motor ab. Die blaue Tasche liegt auf dem Vordersitz, außerhalb meiner Reichweite.

„Er weiß, dass Sie ein paar Tage bleiben.“

„Dann weiß er es nicht.“

Er dreht sich im Sitz um. Ich habe den Eindruck, er werde die Auskunft gleich richtigstellen, aber Dante hält nur einen Moment lang die Schlüssel fest, bevor er die Tür öffnet. Ich steige auf der anderen Seite aus. Der Mantel rutscht mir von der Schulter, und ich halte mit der freien Hand den Kragen fest. Dort, wo die Wolle an der Scheibe lag, ist sie kalt.

Das Haus hat ein einziges hohes Stockwerk und einen Anbau, der über einen überdachten Gang verbunden ist. Ich sehe ein Küchenfenster, eine Seitentür mit gewöhnlichem Schloss, ein Oberlicht im Anbau. Kein Palast. Es ist groß, weil es für Gegenstände gebaut wurde, die größer sind als Menschen. An der Garagenwand hängen Klavierhüllen an Haken. Eine Sackkarre versperrt einen Teil des Durchgangs.

„Ist das die Werkstatt?“

„Ja.“

„Kann ich dort schlafen?“

„Es ist ein Zimmer vorbereitet.“

„Ich habe nach der Werkstatt gefragt.“

Dante trägt meine Tasche zur Tür des Anbaus und probiert einen Schlüssel aus. Die Vertrautheit mit diesem Ort gehört ganz ihm. Ich warte mitten im Hof und gehe nicht zum Haupteingang, damit es nicht so aussieht, als hätte ich eine Einladung angenommen. Diese Vorsicht ist nutzlos, und trotzdem brauche ich sie.

„Dort gibt es kein Bett. Ich zeige Ihnen das Zimmer. Danach reden wir.“

„Vorher will ich meine Tasche.“

Er sieht durch den schlecht geschlossenen Reißverschluss auf das Werkzeug.

„Morgen bekommen Sie, was Sie zum Arbeiten brauchen.“

„Ich brauche sie jetzt, um zu entscheiden, dass ich nicht arbeiten werde.“

Der Satz lässt ihn innehalten. Dante schließt den Reißverschluss und stellt die Tasche in den Schrank, der durch die Werkstatttür zu sehen ist. Er verbirgt ihren Platz nicht vor mir. Doch er schließt den Schrank ab. Das Klicken ist leise und endgültig. Die winzige Verbesserung, den Ort meines Verlusts zu kennen, macht ihn nicht kleiner.

„Darin ist Werkzeug, mit dem man ein Schloss öffnen kann“, sagt er.

„Manches davon. Wenn Sie glauben, dass ich es brauche, um hier herauszukommen, haben Sie ein Problem mit dem Grund, weshalb ich hier bin.“

„Ich will Sie nicht auf der Straße wissen, während Faria nach der Aufnahme sucht.“

Er bricht den Satz ab, als hätte er einen falschen Ton gehört. Aufnahme. Ich merke mir das Wort, ohne so zu tun, als hätte ich es überhört.

„Welche Aufnahme?“

„Darüber reden wir drinnen.“

Ich sehe zum Tor. Raul schaltet im Wachhäuschen das Licht an und stellt ein Glas auf den Tisch. Seine Routine hat meine Anwesenheit bereits aufgenommen. Ich kann schreien. Die Straße liegt jenseits von Garten und Mauer, aber sie ist nicht verschwunden. Ich öffne den Mund, um den Mann zu rufen; Dante hindert mich nicht daran. Dadurch fällt es mir schwerer, den Entschluss umzusetzen. Ich weiß nicht, ob Raul helfen oder nur melden würde, dass ich mich ungebührlich benommen habe.

„Raul“, rufe ich.

Er kommt aus dem Wachhäuschen.

„Ja, Senhora?“

„Können Sie mir das Tor öffnen?“

Sein Blick geht sofort zu Dante.

„Sie bleibt“, antwortet mein Käufer.

Es gibt keine Unklarheit mehr aufzulösen. Langsam geht Raul zurück, verlegen oder bloß müde. Meine Kehle schnürt sich zu, bevor ich fragen kann, worin sich dieser Ort von dem Saal unterscheidet. Ich kenne den Unterschied: Hier gibt es weniger Zeugen.

Ich gehe hinein, weil ich Wasser brauche, eine Steckdose fürs Telefon, Zeit, um herauszufinden, was ich tun kann. Das sage ich mir, als ich durch die Tür trete. Der Flur hat helle Wände mit rechteckigen Flecken, wo Bilder abgenommen wurden. Auf einer Holzbank liegen Briefe und eine Schachtel mit neuen Scharnieren. Dante schaltet die Lampen einzeln an, ohne das Haus in ein Schaufenster zu verwandeln, um mich zu beeindrucken.

„Das Bad ist die zweite Tür. Das Zimmer am Ende. Sie können von innen abschließen.“

„Können Sie von außen aufschließen?“

Er nimmt einen kleinen Schlüssel vom Bund, geht zur Zimmertür und lässt ihn innen stecken. Ich probiere es aus. Ein altes, einfaches Schloss. Wenn der Schlüssel innen gedreht ist, lässt sich auf der anderen Seite nicht ohne Weiteres ein zweiter einstecken. Das erlaubt mir einen tieferen Atemzug.

„Ich komme nicht herein, ohne anzuklopfen“, sagt Dante.

„Dafür werde ich mich nicht bedanken.“

„Habe ich nicht verlangt.“

Im Zimmer stehen ein schmales Bett, ein Stuhl und ein leerer Kleiderschrank. Das Fenster geht zum Hof. Ich kann es öffnen; über die Mauer dahinter komme ich nicht. Ich probiere vor seinen Augen den Riegel aus. Luft strömt herein, die nach gegossener Erde riecht. Dante bleibt im Flur und wartet auf das Ende der Besichtigung.

Ich gebe ihm den Mantel zurück. Das Etikett steckt in der Innentasche, und ich ziehe es heraus, bevor der Stoff die Hände wechselt. Er verfolgt die Bewegung. Ich falte das Papier einmal und stecke es neben das Telefon in die kleine Abendtasche, die Helena mir geliehen hat. Faria hat sie durchsucht und zurückgegeben, weil nichts Brauchbares darin war. Jetzt birgt sie den Beweis, den ich mitnehmen kann.

„Ich muss mit meiner Schwester sprechen.“

„Sie können Ihr Telefon benutzen.“

„Sie muss abnehmen.“

Die Erschöpfung dringt in meinen Ton, bevor ich sie zurückhalten kann. Dante senkt die Augen, als gewähre er mir für diese Schwäche Privatsphäre. Das ärgert mich beinahe mehr als die verweigerte Tasche. Ich will keine Dankbarkeit für höfliche Gesten empfinden, zwischen denen er mich einschränkt.

Ich rufe am Fenster an. Wieder die Mailbox. Ich hinterlasse eine kurze Nachricht und sage, wo ich bin. Die Auktion erkläre ich keiner Aufnahme, die jemand anders hören könnte. Dann versuche ich es bei Norma. Sie antwortet schriftlich: Sie baut bei einer Veranstaltung Licht ab, hat schlechten Empfang, hat meine Bitte gesehen und ruft an, sobald sie kann. Die Antwort hält mich auf eine körperlich spürbare Weise aufrecht. Jemand außerhalb dieses Hauses kennt meinen Namen ohne eine daran befestigte Nummer.

Dante geht bis in die Küche. Ich folge ihm, weil ich nicht auf dem Bett sitzen und auf Anweisungen warten will. Auf einem Teller liegt eine aufgeschnittene Orange, auf dem Herd steht ein Topf. Er öffnet den Kühlschrank, betrachtet den Inhalt, als sei eine technische Auslegung nötig, und nimmt einen Behälter heraus.

„Suppe.“

„Ist das eine Warnung oder ein Angebot?“

„Letzteres, falls sie noch gut ist.“

Sein Versuch eines Scherzes ist so trocken, dass ich durch die Nase ausatme. Zum Lachen reicht es nicht. Er versucht nicht, die Wirkung auszudehnen. Er stellt den Topf auf den Herd und schiebt den Teller mit der Orange beiseite, um mir Platz an der Arbeitsplatte zu machen. Ich nehme mir selbst Wasser. Hole ein Glas aus dem offenen Schrank, fülle es am Filterhahn und trinke im Stehen.

„Wer hat gekocht?“

„Eine Frau, die unter der Woche kommt.“

„Weiß sie von mir?“

„Nein.“

„Wollen Sie ihr sagen, ich sei eine Verwandte?“

Er schließt den Behälter zu heftig. Der Deckel knackt.

„Ich lüge nicht gern.“

„Sie haben andere, schlimmere Vorlieben.“

Das Schweigen bleibt bei uns, während der Topf warm wird. Dante wechselt die Herdplatte und holt zwei Schalen. Er hat Finger, die Lasten halten: einen eingerissenen Nagel, verdickte Haut am Daumenansatz. Der Silberring passt nicht zum Rest seiner Hand. Ich will wissen, warum er ihn trägt. Die Frage missfällt mir, und ich schaue zum Fenster.

Aus seiner Hosentasche ertönt ein Klingeln. Er nimmt das Gerät heraus, prüft den Bildschirm und weist den Anruf ab. Gleich darauf kommt eine Nachricht. Ich sehe nur eine Tabelle und Zahlen, genug, um zu wissen, dass seine Arbeit weitergeht. Ich weiß nicht, ob meine Schulden dort zwischen den Waren stehen.

„Sieben Nächte“, sagt er schließlich. „Ich brauche eine Reparatur. Danach gehen Sie, und die Schulden sind getilgt.“

„Kann ich jetzt gehen?“

„Noch nicht.“

„Dann stellen Sie es nicht als Arbeitsverhältnis dar.“

Dante stützt beide Hände auf die Arbeitsplatte. Die Art, wie er seinen Körper festhält, lässt mich seine Größe wieder bemerken. Die Narbe in der Augenbraue durchschneidet einen Ausdruck, der sonst bloß müde wirken könnte. Er kann mir mühelos Angst machen, und das scheint er zu wissen.

„Was Faria verkauft hat, war keine Dienstleistung“, sagt er.

„Das habe ich bemerkt.“

„Allein wären Sie dort nicht herausgekommen.“

„Und jetzt bin ich hier bei Ihnen. Auch diesen Teil habe ich bemerkt.“

Er hat keine Antwort, die gut genug wäre, um den Streit zu beenden. Die Suppe beginnt zu blubbern, und wir müssen uns bewegen. Dante dreht sich zum Herd. Ich weiche von der Arbeitsplatte zurück. Das Gewöhnliche daran ist obszön: zwei Erwachsene, die entscheiden, ob genug Salz vorhanden ist, nachdem einer dem anderen den Ausgang verweigert hat.

Ich setze mich, weil meine Beine seit dem Saal zittern. Ich esse langsam. In der Suppe sind Kürbisstücke und zu viel Pfeffer. Die Schärfe treibt mir Tränen in die Augen. Ich erkläre es nicht, und Dante fragt nicht. Er isst auf der anderen Tischseite und wahrt Abstand. Dass alles so schlicht ist, überrascht mich. Ich hatte jemanden erwartet, der Musik spielen lässt, während er ein Glas erhebt. Mein Käufer pustet auf den Löffel und verbrennt sich trotzdem den Mund.

Irgendwo im Haus erklingt ein langer tiefer Ton, gefolgt von einem Motorengeräusch. Ich drehe den Kopf.

„Was ist das?“

„Eine Prüfanlage. Ich schalte sie gleich aus.“

Er steht auf und geht durch den Flur. Die Schwingung läuft durch den Boden bis an meine Sandalensohle. Mit dem Anschlag stimmt etwas nicht, eine Kraft setzt zu früh ein. Ich stelle das Glas auf den Tisch, bevor mein Körper aus Gewohnheit dem Fehler nachgeht. Ich bin nicht der Notdienst dieses Hauses.

Dante kommt mit einer Fernbedienung in der Hand zurück. Der Ton wird leiser und verstummt.

„Ich habe Kunden, denen so ein Geräusch nicht auffällt“, sagt er.

„Meine Ohren bezahlen meine Rechnungen. Was davon zu erhalten ist, werde ich erhalten.“

Er legt die Fernbedienung außer seiner Reichweite ans Tischende neben mir. Eine kleine, konkrete Anerkennung. Mein Körper registriert sie, obwohl ich diese Geste nicht mit seinem Verhalten am Tor verrechnen will. Verschiedene Dinge müssen verschieden bleiben, damit ich denken kann.

Nach dem Essen spüle ich meine Schale. Dante überlässt mir die Spüle. Der Hahn hat Spiel und tropft, als ich ihn zudrehe. Von selbst kehrt meine Hand zurück, um ihn im richtigen Winkel anzuziehen. Diesmal halte ich sie auf. Eine Reparatur, die ich nicht angeboten habe, wäre die erste Arbeitsstunde, die er gar nicht erst verlangen musste.

„Zeigen Sie mir, was repariert werden soll“, sage ich.

„Sie sind müde.“

„Ich bin eingesperrt. Mit Müdigkeit komme ich zurecht.“

Er nimmt einen Schlüssel von der Arbeitsplatte und geht ins Musikzimmer. Ich warte im Eingang, während er die Leuchte einschaltet. Der Raum nimmt den hinteren Teil des Hauses ein und hat schwere Vorhänge. Darin stehen ein Klavier, Transportkisten und ein Pianola mit geöffnetem Oberdeckel. Ich erkenne die alte Herstellermarke, aber nicht die Baureihe. Um die Pedale herum ist der Lack schlecht ausgebessert worden.

Der Drang, näher zu treten, tut beinahe weh. Pianolas landen meistens nach Reparaturversuchen von Leuten bei mir, die sie für Klaviere mit einem lustigen Zubehör halten. Eine pneumatische Mechanik verzeiht diese Vereinfachung nicht. Mit der richtigen Tasche würde ich stundenlang nach undichten Stellen suchen, bevor ich überhaupt das Papier prüfe.

Ich bleibe stehen.

„Von wem haben Sie es gekauft?“

„Aus einem Posten von Pfandgegenständen.“

„Von Faria.“

Er nickt.

„Merken Sie, wie das klingt?“

„Ja.“

Auf der Bank liegt ein längliches grünes Etui mit matten Metallverschlüssen. Dante öffnet einen davon und zeigt die gelochte Rolle. Er nimmt sie nicht heraus. An einem Ende sehe ich einen rötlichen Fleck, vielleicht Schellack. Das Holz der Spule ist am Papierrand zu sauber. Für Gewissheit brauche ich besseres Licht, und ich will kein Interesse zeigen, bevor ich weiß, was er erwartet.

„Das wollen Sie hören?“

„Ich muss wiederherstellen, was auf dieser Rolle ist.“

„Es kann ein ganzes Stück sein oder zerrissenes Papier, das den Durchlauf durch den Abtaster nicht übersteht. Ohne Untersuchung verspreche ich nichts.“

„Deshalb habe ich Sie gebraucht.“

Mein Name, der in diesem Satz fehlt, wiegt schwer. Er könnte Dutzende Fachleute beauftragen. Manche würden nicht an einem so alten Modell arbeiten, andere viel verlangen. Keine dieser Einschränkungen erklärt eine Auktion. Dante weiß, dass sie das nicht tun. So wie er das Etui schließt, weiß er auch, dass ich noch fragen werde.

„Warum haben Sie keine Werkstatt angerufen?“

„Weil Faria nach dem Instrument gefragt hat, bevor es überhaupt ankam. Und weil ich heute das Instrument holen wollte, aber Sie vorgefunden habe.“

„Sie haben mich nicht verirrt auf einem Gehweg gefunden.“

„Nein.“

Sein Telefon vibriert wieder. Diesmal nimmt Dante ab und geht zur Tür. Ich höre nur seine Hälfte: Nein, der Flügel ist nicht dabei; er akzeptiert keinen Ersatz; er wird die Bedingungen morgen früh durchgehen. Das im Saal verlorene Geschäft ist noch immer da, nur einen Anruf entfernt. Auch die beschlagnahmte Tasche liegt weiter im Schrank, nur einen Schlüssel entfernt.

Ich gehe um das Pianola herum, um nicht länger zuzuhören. An der Wand lehnt eine Transportkiste. Dickes Holz, neue Schrauben, aufgerollte Seile. Auf der Seite verdeckt ein blauer Streifen einen Teil eines alten Namens. In der unteren Ecke ist eine gelbe Zeichnung, die aussieht wie ein von einem Kind gemalter Fisch. Die Farbe ist nach rechts verwischt.

Meine Kehle zieht sich zusammen.

Helena kann keine Pfeile zeichnen, die wie Pfeile aussehen. Bei den ersten Transporten markierte ich ihr die Oberseite der Kisten mit einem Strich und zwei gebogenen Flügeln. Sie sagte, das sehe wie Fische aus, und malte dieselben Tiere dorthin, wo ich professionelle Hinweise angebracht hätte. Hinter den Schwanz setzten wir einen kleinen Tropfen, um unsere Kisten von denen der Auftraggeber zu unterscheiden.

Der Tropfen ist da.

Ich ziehe mein Telefon hervor. Eine Nachricht ist eingegangen, die wegen der schlechten Verbindung meiner Schwester bisher nicht angezeigt wurde. Die Sprachnachricht dauert wenige Sekunden. Zur Wand gewandt halte ich mir das Gerät ans Ohr.

„Tê, falls sie fragen: Ich bin nicht zurückgekommen, um etwas zu holen. Das Pianola ging an einen Moura. Du musst die Ladung holen, bevor …“

Ein Geräusch übertönt den Rest. Ich versuche, sie noch einmal abzuspielen. Dante beendet das Gespräch und sagt meinen Namen. Ich bleibe reglos stehen, das Telefon am Ohr. Ich weiß nicht, was ich ihm erzählen kann. Ich weiß nicht, wie viel er weiß. Der ganze Raum verändert seine Größe; der Gegenstand, den ich ignorieren wollte, ist gerade zu Helenas letzter überprüfbarer Adresse geworden.

„Teresa?“

Ich sehe auf das Pianola, auf das grüne Etui, auf die Kiste an der Wand. Morgen werde ich meine Tasche brauchen. Ich werde jedes Werkzeug brauchen und genug Zeit, um zu arbeiten, ohne dass er jeden meiner Funde sieht.

Ich prüfe die Nachricht ein drittes Mal, bevor ich den Raum verlasse. Kein neues Wort, nur ein Knacken im Hintergrund, das eine Lieferwagentür oder eine aufschlagende Kiste sein könnte. Meine Erfahrung gibt mir nicht das Recht, die angenehmere Vermutung auszuwählen. Ich notiere die Länge der Datei und speichere eine Kopie mitsamt dem vollständigen Gespräch, damit die Stimme nicht von der Nummer getrennt wird, von der sie kam. Dante wartet am Durchgang. Ich bitte um ein Ladegerät fürs Zimmer; er reicht mir ein gewöhnliches, ohne mein Telefon einzuziehen. Ich schließe die Finger um das Kabel und kann mich erst dann von dem Instrument entfernen.

Ich kenne das Zeichen im Holz, weil ich es meiner Schwester selbst beigebracht habe.

Moment – Das Pianola trägt Helenas Transportzeichen. Der Mann, der Teresas Schulden gekauft hat, besitzt die einzige Ladung, die ihr Verschwinden erklären könnte.

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Fragen

Bevor du dich verliebst.

Welche Beziehung steht im Mittelpunkt dieser Geschichte?

Düstere M/F-Liebesgeschichte für Erwachsene mit einer Klavierstimmerin, krimineller Nötigung und Vertrauen, das wachsen muss.

Wie wird Intimität dargestellt?

Küsse und sinnliche Spannung; kein grafisch beschriebener Sex. Enthält Gefangenschaft, kriminelle Nötigung, Bedrohung und nicht grafisch beschriebene Gewalt.

Ist der eigene Handlungsbogen dieser Geschichte abgeschlossen?

Teresa und Dante haben eine Geschichte mit einem eigenen Abschluss.

Teile die Begeisterung.

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